- __
Fundstück im Mittelrhein-Museum Koblenz
Ausstellung Kriegszeit Künstlerflugblätter 28.9.2024 – 2.2.2025
Anlässlich des 110. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges präsentiert die Kabinettausstellung Lithografien namhafter Künstler aus der Serie Kriegszeit. Künstlerflugblätter.
In dieser Ausstellung wird auch die Lithografie „Schlacht“ von Wilhelm Oesterle mit dem Text des Heinrich-Heine-Verses „Ich bin das Schwert …“ ausgestellt, die Wilhelm Oesterle für die Ausgabe 9/1914 der Zeitschrift Kriegszeit von Paul Cassirer geschaffen hat.
Wilhelm Oesterle
(Herbolzheim Wagenstadt 1876 – 1928 Berlin)
Ich bin das Schwert
21.10.1914 – Ausgabe Nr. 9
Lithographie auf Papier
Leihgabe Sammlung Framhein
Ich bin das Schwert – Heinrich Heine
„Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme. Ich habe euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die Schlacht begann, focht ich voran, in der ersten Reihe. Rund um mich her liegen die Leichen meiner Freunde, aber wir haben gesiegt. Wir haben gesiegt, aber rund umher liegen die Leichen meiner Freunde. In die jauchzenden Triumphgesänge tönen die Choräle der Totenfeier. Wir haben aber weder Zeit zur Freude noch zur Trauer. Aufs Neue erklingen die Drommeten, es gilt neuen Kampf. Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.“
Der Geburtstag von Wilhelm Oesterle jährt sich am 22.3.2021, er wäre heute 145 Jahre alt.
Die Berliner Börsenzeitung veröffentlicht in der Wochenend-Ausgabe vom 21./22.3.1936 den Artikel
“Wilhelm Oesterle zum Gedächtnis“:

„Am 22. März sind es 60 Jahre her, daß in Wagenstadt in Baden ein Leben seinen Anfang nahm, dass bis zu seinem jähen Ende 1928 voll unaufhaltsamen Schaffens war.
Nach der Lehre bei einem Kirchenmaler arbeitete Wilhelm Oesterle seit 1893 als Dekorationsmaler in Basel, Heilbronn und Berlin. 1902 Bezog er die Karlsruher Kunstgewerbeschule, von der er 1906 zu Louis Corinth hinüber wechselte. Durch seine zähe Arbeit errang er sich dessen Vertrauen. Bis 1920 bleib er bei ihm und wandte sich dann zu seines Meisters großer Enttäuschung der Radierung zu, die er in allen ihren Arten von der Kaltnadel bis zur Uquatina zu beherrschen wußte. Wohl seine schönsten Landschaftsradierungen schuf er in den kargen Ruhestunden, die ihm 1917 und 1918 bei einer Fliegerabwehr-Batterie in Frankreich und Belgien blieben. Daneben entstanden die Köpfe der Kameraden, Vorgesetzten und dieses und jenes Quartierwirtes. Das Material war ihm unwichtig, gab es doch Munitionsstiftenblech
Kurz vor dem Kriege, etwas um 1913, hatte die Farbe Oesterle wieder in ihren Bann gezogen. Ausgehend von der Monotypie und dem Aquarell nahm er um1922 auch wieder die Ölmalerei in verstärktem Maße auf. Seit 1924 war auch die Keramik in seinen Schaffenskreis aufgenommen worden und gar bald entstanden Krüge mit eindringlichen Ornamenten oder figürlichem Schmuck.

Inzwischen hatte er 1919 in der Reimannschule die Leitung einer Radier- und Kunstklasse übernommen und wurde ein Lehrer, der in der künstlerischen Ausbildung seiner Schüler aufging. Wohl dem Schüler, der arbeitete und hinter seines Lehrers herbem Äußeren das liebevolle Herz dieses so überaus schlichten und biederen Mannes zu finden wußte! Er konnte gewiß sein, die reiche Erfahrung dieses rastlosen Strebens wurde ihm restlos zuteil, zudem war ihm ein väterlicher Kamerad entstanden. So hatte Oesterle denn auch die Genugtuung, daß der Reimann-Rom-Preis im Jahre 1926 in seine Klasse auf seinen Schüler Rudolf Urlt fiel.
Wohl in ursächlichem Zusammenhang mit einem früheren Autounfall setzte am 27. August 1928 ein Herzschlag seinem Schaffen ein Ende. Nun ruht er in seiner märkischen Wahlheimat, deren stille Schönheit bildnerisch zu gestalten das Streben vieler Jahre war.“
(In der BBZ , Ausgabe Sonnabend, 21. März 1936 Abendausgabe)

